Ein paar Haare in der Bürste oder im Waschbecken sind völlig normal. 50 bis 100 Haare verliert der Mensch nämlich täglich, genauso viele wachsen am Tag nach. Ebenso normal ist, dass im Herbst mehr Haare verloren gehen als zu anderen Jahreszeiten. Übermäßiger Haarausfall aber kann vor allem für Frauen zum Problem werden, aber auch auf ein Problem hinweisen: Denn die Ursache ist meistens irgendwo im Körper zu finden.

Im Alter von 30 Jahren klagt fast jede dritte Frau über massiven Haarausfall, im Alter von 50 Jahren ist es bereits jede zweite Frau. Gerade bei Frauen kratzt das sehr schnell an der Eitelkeit und am Selbstwertgefühl. Deshalb sollte dem Problem auf den Grund gegangen werden. Dr. Cristina Tomasi empfiehlt dafür eine Reihe von Bluttests (eigener Bericht), um verschiedene Hormone und Mikronährstoffe zu testen. Denn häufig ist die Ursache für einen übermäßigen Haarverlust ein hormonelles Ungleichgewicht oder ein Mangel an bestimmten Nährstoffen. Gelegentlich ist Haarausfall mit einem physischen und emotionalen Trauma verbunden, nicht selten kann eine Autoimmunerkrankung die Hauptursache sein. „Um den Haarverlust richtig und erfolgreich behandeln zu können, ist es wichtig, die Ursache herauszufinden“, sagt Dr. Tomasi. Sie verweist auch darauf, dass es meistens mehrere Ursachen sind, die zum übermäßigen Haarausfall beitragen. Die möglichen Ursachen im Detail:

 

Schlecht funktionierende Schilddrüse

Übermäßiger Haarausfall kann ein frühes Zeichen für ein Schilddrüsenproblem sein und wird nicht selten vom Friseur zum ersten Mal diagnostiziert. Neben einer Verdünnung des Haares und übermäßigem Ausfallen kann das Haar spröde, trocken und wirr werden. Die Ursache kann sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion als auch eine Unterfunktion sein, die Schilddrüse kann also zu viele oder zu wenig Schilddrüsenhormone bilden. Auch eine autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis) kann möglicherweise dahinterstecken. Gerät das fein abgestimmte Gleichgewicht an Schilddrüsenhormonen im Körper durcheinander, kann Haarausfall die Folge sein. Wird der Hormonspiegel stabilisiert, verlangsamt sich der Haarausfall und hört schließlich ganz auf.

Hin und wieder kann die Ursache einer beeinträchtigten Schilddrüsenfunktion auch ein Mangel an den Mikronährstoffen Selen oder Zink sein. Es ist also ratsam, bei einer Blutuntersuchung diese Nährstoffe unter die Lupe zu nehmen.

 

Zu wenig Eisen, zu wenig Lysin

Eine Studie kam zum Schluss, dass 90 Prozent der Frauen mit dünnem Haar an einem Mangel von Eisen und Lysin litten. Lysin ist eine Aminosäure, die beim Eisentransport im Körper hilft und damit für viele Stoffwechselprozesse unerlässlich ist. Lassen Sie also den Ferritinspiegel messen, es ist der empfindlichste Indikator für Eisen im Körper. Ein Minimum von 40 ng/ml ist erforderlich, um neues Haar wachsen zu lassen: ein optimaler Bereich ist 70-80 ng/ml. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre tägliche Dosis Eisen aus rotem, fettreichem Fleisch und Gemüse erhalten. Gute Quellen für Lysin sind proteinreiche Lebensmittel wie Fleisch und Geflügel, Eier, Käse (insbesondere Parmesan) und einige Fische (Kabeljau, Sardinen). Wenn zusätzliche Dosen eines Eisenpräparats benötigt werden, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welches Präparat das richtige für Sie ist. Wenn Patienten Eisenpräparate schwer vertragen, empfiehlt Dr. Tomasi Eiseninfusionen – auch sie gehören in die Hände eines Arztes.

 

Erblich bedingter Haarausfall

Die Androgenetische Alopezie ist bei beiden Geschlechtern die häufigste Alopezieursache.

„Androgenetische Alopezie“ bedeutet „Haarausfall durch männliche Hormone“: es handelt sich um eine veranlagte erhöhte Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber männlichen Sexualhormonen. Die Kahlheit manifestiert sich durch eine fortschreitende Verdünnung der Haare im zentralen Kopfbereich, das Haar erscheint verdünnt, besonders am Scheitel, so dass die Kopfhaut sichtbar wird. Am häufigsten tritt dieser Haarausfall in den Wechseljahren auf, wenn die Östrogenhormone reduziert werden und somit die männlichen Hormone proportional zunehmen. In einigen Fällen wird sie früh, in der Pubertät, ausgelöst, oft durch eine Schlankheitskur. Bei einigen Frauen wird der Haarausfall unmittelbar nach der Schwangerschaft durch Stress und Eisenmangel, die oft während des Stillens auftreten, ausgelöst. Selbst in den schwerwiegendsten Fällen kommt es jedoch nie zu einer vollständigen Kahlheit, sondern nur zu einer starken Verdünnung der Haare.

Manchmal haben Frauen mit androgenetischer Alopezie ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS). Typische Anzeichen und Symptome sind Eierstockzysten, unregelmäßige Zyklen, Gewichtszunahme, Glukosestoffwechselprobleme, Unfruchtbarkeit und Haarausfall. Das Problem kann sich bei einigen Patienten, die Medikamente zur Behandlung von Schilddrüsenbegleiterkrankungen einnehmen, verschärfen. Die gute Nachricht ist, dass man oft die Symptome des Haarausfalls stoppen und sogar umkehren kann, sobald man die Hormone ausgeglichen hat.

 

Zu wenig Eiweiß

Wenn mit der Ernährung zu wenig Proteine aufgenommen werden, wechselt der Körper in den „Hunger-Modus“ und stellt – weil nicht prioritär für das Funktionieren des Organismus – das Wachstum der Haare ein. Das kann etwa 2 bis 3 Monate nach einem Rückgang der Proteinzufuhr geschehen. Die „Therapie“ in diesem Fall ist ganz einfach: Nehmen Sie wieder genügend Proteine zu sich, essen Sie also Fisch, fettes Fleisch oder Fleisch von artgerecht gezüchteten Tieren, Eier und geeigneten pflanzliche Proteinquellen. Proteine kann man auch als Ergänzungsmittel zu sich nehmen.

 

Physischer und emotionaler Stress

Jede Art von körperlichem oder emotionalem Trauma kann übermäßigen Haarausfall auslösen: Operation, Gewichtsverlust, Essstörungen, Autounfall, Krankheit, Probleme in der Beziehung, ein krankes Kind, der Verlust eines Verwandten. Die Ursachen ist nicht ganz klar:  wenn Stress abgebaut wird und sich Körper und Geist erholen, hört auch der Haarausfall innerhalb von 3 bis 6  Monaten auf.

 

Hormonschwankungen

Frauen berichten oft von Haarausfall als Folge einer Veränderung des hormonellen Gleichgewichts, wie es bei Schwangerschaft und Menopause der Fall ist, aber auch bei der Einnahme der Antibabypille. Achten Sie deshalb auf ein Gleichgewicht der Hormone in Ihrem Körper. Ein erster Schritt dazu ist, Stress abzubauen. Lassen Sie auch eine entsprechende Blutanalyse durchführen.

 

Wechseljahre

In den Wechseljahren können die Haarfollikel schrumpfen, was das Haar feiner und anfälliger zum Ausfallen macht.  Eine Studie deutet darauf hin, dass das Östradiol-Testosteron-Verhältnis den Haarausfall bei Frauen beeinflussen kann. Studien zeigen, dass Frauen, die mit bioidentischem Östradiol behandelt wurden, weniger Haarausfall hatten. Wenn Sie sich also in den Wechseljahren befinden und bereits anormalen Haarausfall haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um zu beurteilen, ob bioidentisches Östrogen eine geeignete Option für Sie sein kann.

 

Mangel an B-Vitaminen

Ein Mangel kann sowohl durch Stress als auch durch die Einnahme der Antibabypillen ausgelöst werden. Beides reduziert die B-Vitamine im Körper. Mit der richtigen Ernährung und eventuell einer Nahrungsergänzung sollten Sie in der Lage sein, das Problem zu lösen. Reich an Vitamin B sind Fleisch, Fisch, stärkehaltiges Gemüse und einige Früchte.

 

Zu wenig Fett

Wenn Sie sich fettarm ernähren, nehmen Sie weniger Kalorien, weniger Nährstoffe und mehr Kohlenhydrate auf als Ihr Körper benötigt. Außerdem nehmen Sie zu wenig essenzielle Fettsäuren Omega 3 und 6 auf, die die Kopfhaut pflegen und das Haarwachstum stabilisieren. Ernähren Sie sich also am besten ausgewogenen mit vielen „guten“ Fetten, wie sie in Olivenöl, Kokosnuss, Avocado, Ghee, Butter und Nüssen enthalten sind – das ist ideal für Ihr Haar und Ihre Gesundheit.

 

Autoimmunkrankheiten

Die „Alopecia areata“, die als Haarausfall in runden Flecken am Kopf auftritt, ist die Folge einer Autoimmunreaktion. Menschen mit Alopecia areata erkranken häufiger als andere an weiteren Autoimmunkrankheiten, wie Hashimoto Thyreoiditis, rheumatoide Arthritis, usw

 

Medikamente

Einige Medikamente wie Beta-Blocker, Antidepressiva, Antibabypille, Cholesterinsenker, Antibiotika, Gerinnungshemmer, Methotrexat, Schmerzmittel wie Ibuprofen können Haarausfall verursachen. Wenn Sie eines dieser Medikamente einnehmen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen.

 

Zu viele Haarbehandlungen

Tönungen, häufiges Waschen mit Shampoo und viele andere Haarbehandlungen und –produkte  können die Haarfollikel traumatisieren und Haarausfall begünstigen. Versuchen Sie also, Ihre Haare seltener zu waschen, lassen Sie das Haar lufttrocknen und beschränken Sie die Verwendung von Glätteisen und Lockenstäben auf einmal pro Woche oder noch weniger.

 

Insulinresistenz und Zuckerstoffwechselprobleme

Insulin, das Hormon, das den Blutzuckerspiegel reguliert, beeinflusst auch das Haarwachstum. Die Hälfte der weiblichen Patienten und 60 Prozent der männlichen Patienten mit androgenetischer Alopezie haben Anzeichen, die auf eine Insulinresistenz, Blutzuckeranomalien, Bluthochdruck oder abnormale Cholesterinwerte hindeuten. Eine weitere Studie ergab, dass androgenetische Alopezie ein früher Hinweis für Insulinresistenz, Stoffwechselsyndrom und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern sein kann. So könnte auch für Frauen gelten. Die gute Nachricht ist, dass die Beseitigung von Zucker und künstlichen Süßstoffen, Bewegung und Gewichtsabnahme die Insulinresistenz umkehren und die Chancen auf Haarausfall verringern können.

 

 

Welche Bluttests sind nützlich und was sagen sie uns?

Ferritin: Auch Depot- oder Speichereisen genannt. Wenn der Ferritin-Wert unter 50 ng/ml ist, kann das eine Ursache für Haarausfall sein.

 

Allgemeines Blutbild: Es sagt uns, ob eine Anämie, Leukozytose oder Anomalien bei den  roten und weißen Blutkörperchen vorliegen.

 

TSH, FT3, FT4, ANTI-TPO, ANTI-Thyreoglobulin, ANTI-TSH-Rezeptor, RT3: Diese Tests sind Teil einer vollständigen Schilddrüsenuntersuchung. Eine Schilddrüsenerkrankung kann die Ursache für Haarausfall sein.

 

Antinukleärer Antikörper (ANA) Rheumafaktor (RF): Beide Werte sind verändert bei Autoimmun- und rheumatischen Erkrankungen. Es gibt viele Autoimmunerkrankungen, bei denen Haarausfall auftritt.

 

C-reaktives Protein und Blutsenkungsgeschwindigkeit: Beide Werte deuten, wenn sie erhöht sind, auf eine Entzündung im Körper hin.

 

Testosteron, freies Testosteron, Dihydro-Testosteron (DHT): Zu viel Testosteron kann auch die Ursache für den Haarausfall bei einer Frau sein. Hohes Testosteron kann auf ein hormonelles Ungleichgewicht oder eine Erkrankung wie das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) zurückzuführen sein.

 

FSH, LH, Östrogen, Progesteron:  Ein Ungleichgewicht dieser Hormone können die Ursache für Haarausfall sein, zusammen mit dem prämenstruellen Syndrom, unregelmäßigen oder sehr starken Zyklen.

 

Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG): Dieses Protein haftet an überschüssigen Hormonen. Wenn es niedrig ist und das freie Testosteron hoch ist, sollte die Behandlung des Haarausfalls sowohl eine Erhöhung des SHBG als auch eine Senkung des Testosterons beinhalten, wobei alle Hormone ausgeglichen werden.

 

Cortisol, DHEA-S, 17-Hydroxyprogesteron: Das Stresshormon Cortisol können Sie auch als Hormon des Alterns betrachten. Wenn diese Hormone aus dem Gleichgewicht sind, altern Sie sichtbar schneller, was auch Haarausfall einschließt.

 

Prolaktin: Ein hoher Prolaktin-Wert führt zu einem höheren Testosteronspiegel und anderen Androgenen.

 

Nüchtern-Insulin, Nüchtern-Blutzucker, glykosiliesrtes Hämoglobin (HbA1c): Ein Ungleichgewicht des Zuckerstoffwechsels kann zu Ungleichgewichten in den Hormonen führen und die Durchblutung der Kopfhaut behindern.

 

Schwermetallanalyse (Quecksilber, Blei, Cadmium, Chrom, Arsen): Haben Sie Amalgamfüllungen, Tattoos oder Piercings? Essen Sie viel Reis (reich an Arsen) oder Lebensmittel unbekannter Herkunft (bleibelastetes Obst von Bäumen entlang der Autobahn)? Das Vorhandensein von Schwermetallen in unserem Körper kann zu Haarausfall führen.

 

Der Lebenszyklus eines Haares

Das Haar wächst nach einem programmierten Zyklus, der bis zu 7 Jahre dauern kann und eine Wachstumsphase (Anagen-Phase), eine Regressionsphase (Katagen-Phase) und eine Ruhephase (Telogen-Phase) beinhaltet. In Anbetracht der unterschiedlichen Dauer der verschiedenen Phasen des Haarzyklus und unter normalen Bedingungen machen die Haare in der Anagenphase 80 bis 90 Prozent der gesamten Haarpracht aus, jene in der Katagenphase ein Prozent und schließlich jene in der Telogen-Phase 10 bis 20 Prozent.

In der Wachstumsphase (Anagen-Phase) entwickelt sich eine neue Haarwurzel, die anschließend das Haar produziert. Je nach Alter, Geschlecht und Kopfstelle dauert diese Phase beim Menschen 2 bis 6 Jahre. Pro Monat wächst das Haar in dieser Zeit um etwa einen Zentimeter. Das Haar wächst also nicht unendlich lang, sondern entsprechend der genetisch bedingten Dauer der Wachstumsphase.

Auf die Wachstumsphase folgt die Übergangsphase, die Katagen-Phase: Diese dauert zwischen 2 und 3 Wochen. Die Haare werden nicht mehr mit Nährstoffen versorgt, schließlich löst sich das Haar von der Papille und verkümmert.

In der Ruhe- bzw. Ausfallphase (Telogen-Phase), die 2 bis 4 Monate dauert, wird die Verankerung des Haares immer lockerer. Allein durch Kämmen, beim Schlafen oder beim Waschen fallen Haare aus.

0 Shares