Interview mit Prof Ulrike Kämmerer, Univesitätsklinik Würzburg

 

Ketogene Diät – was ist das?

Ketose ist ja nicht nur NO CARB, sondern MEHR. Das mehr heißt: Ketose produziert Ketonkörper. Und die haben eine ganz eigene heilende Wirkung.

Also zusätzlich zum Zuckerentzug.

Eine ketogene Ernährung  ist durch eine extrem kohlenhydratarme und dafür sehr fettreiche Ernährungsweise gekennzeichnet. Durch den Kohlenhydratmangel verändert sich der Stoffwechsel und gerät in die sogenannte „Ketose“.

Energielieferanten für den Körper sind Zucker und Fett. Normalerweise gewinnt der Körper aus den durch die Nahrung zugeführten Kohlenhydraten Energie. Wenn aber die Kohlenhydrate als Energielieferanten fehlen, muss der Körper die Energie irgendwo anders kriegen. In der Leber werden dann die aufgenommenen Fette in Ketonkörper umgewandelt, die anstelle der Kohlenhydrate zur Energiegewinnung genutzt werden. Durch die Ketonkörper wird auch Leistungsfähigkeit des Gehirns erhalten. Dieser Zustand der Energiegewinnung wird „Ketose“ genannt und ist das Prinzip, auf dem die ketogene Diät beruht.

Wie sieht eine ketogene Ernährung aus?

Während einer ketogenen Diät wird der Energiebedarf wie folgt gedeckt:

Kohlenhydrate: 5 Prozent
Proteine: 35 Prozent
Fett: 60 Prozent

Die Grundlagenforschung der ketogenen Ernährung zeigt immer mehr, dass pharmakologische Komponenten erzeugt werden. Das bedeutet, dass wir mit dieser speziellen Ernährung etwas tun, etwas bewirken: Wir produzieren Medikamente im Körper.

Der Ketonkörper Butyrat, der in einer Ketose entsteht, wirkt extrem entzündungshemmend. Diese entzündungshemmende Wirkung ist auf jeglicher molekularen Ebene bereits publiziert und eindeutig nachgewiesen.

So geht zum Beispiel der Entzündungswert CRP nach unten; auch überschießende Entzündungszellen (Leukozyten) werden verringert.

Das chronische Müdigkeitssyndrom wird durch diese Ketonkörper gestoppt.

Soeben wird erforscht und gefunden, dass Ketonkörper (Butyrat) epigenetisch typische Tumorgene verändern. Genauer: sogenannte Tumorsupressorgene, also Gene, die das Tumorwachstum unterdrücken, werden durch Ketonkörper wieder angeschaltet.

Deshalb beobachten wir, dass unter Ketose Krebszellen nicht mehr so schnell oder gar nicht mehr wachsen.

Der entscheidende Punkt ist, „gar nicht mehr“. Und dann kann ein kompetentes Immunsystem den Rest erledigen. Die Schulmedizin nennt das dann eine Wunderheilung. Biochemiker können hier nur müde lächeln.

So viel zur eigenständigen Wirkung von Ketonkörpern. Genau aus diesem Grund ist Ketose deutlich besser bei der Tumorbekämpfung als einfaches no carb. Aber auch das ist hilfreich.

Thema Zucker. Kohlenhydrate. Wussten Sie (wirklich?), dass jede Zelle, die sich schnell teilt, ganz egal, ob sie bösartig oder gutartig ist (zum Beispiel rote Blutkörperchen) enorm viel Zucker benötigen, um Bausteine für die Tochterzellen herzustellen? Es geht also nicht um Energie, die aus dem Zucker gewonnen wird, sondern um Bausteine, um die nächste Zelle herzustellen. Und die nächste. Und die nächste. Nennt man Krebs.

Das passiert aber praktisch nur mit Zucker und eben nicht mit Fett, kaum mit Eiweiß.

Im Gegensatz zu gutartigen Zellen, welche aufhören, sich zu teilen sobald ihre Arbeit erledigt wurde, teilt sich die bösartige Zelle, die Krebszelle immer weiter. Wenn der Blutzuckerspiegel im Körper niedrig ist – weil Sie eben no carb leben – kann ein großes Gewebestück nur schlechter mit Zucker versorgt werden. Weil tief im Gewebe, innen drin oft auch weniger Blutgefäße liegen, kann der Tumor sich noch schlechter teilen, hat weniger Baustoffe, um neue Zellen zu bilden und sich auszubreiten. Es fehlt wie gesagt, schlichtweg der Baustoff, gewonnen aus Zucker.

Unter einer üblichen, kohlenhydratreichen Ernährung, also Ihrer Ernährung, sind die Organe gut mit Zucker versorgt; außerdem steigt ja regelmäßig das Insulin an, das der Körper braucht, um den Zucker in die Zellen einzuschleusen, wo er dann auch in Energie umgewandelt wird.

Daher ist Insulin einer der stärksten Wachstumsreize für Krebs, besonders für Brustkrebs. Gewusst? Wirklich?

Kommt regelmäßig die Frage auf, ob Krebszellen denn nicht auch von Fett leben können. Fett, was Sie bei ketogener Diät ja reichlichst zu sich nehmen (ca. 80%). Damit wollen Kritiker zeigen, dass der Verzicht auf Kohlenhydrate sinnlos sei. Also dann der Reihe nach:

Thema Fett: Selbstverständlich können Krebszellen prinzipiell immer (immer!) Fett verstoffwechseln, solange die Mitochondrien in Ordnung sind, gut funktionieren und sie genügend Sauerstoff zur Verfügung haben. Nennt man langsamen, eher gutartigen Krebs.

Genau das ist bei aggressivem Krebs eben nicht der Fall. Die Mitochondrien sind eben nicht in Ordnung. In meiner Sprache: Sie haben die Dinger beleidigt. Mangelernährt. Die stellen ihre normale Energieproduktion ein. Verstoffwechseln eben auch kein Fett mehr. Also noch einmal: Ja, Krebszellen können grundsätzlich von Fett leben, aber nur wenn… Thema Mitochondrien. Thema Vitamine. Thema Aminosäuren, die fehlen.

Jetzt kommt´s: Die Fette, die im Gewebe ankommen und auch Krebszellen ernähren könnten, sind die Fettsäuren der Triglyceride im Blut. Nahrungsfette. Und die steigen im Blut nur an bei kohlenhydratreicher Ernährung.

Der Punkt kann nicht deutlich genug herausgehoben werden. Sie brauchen Kohlenhydrate, die erzeugen Triglyceride, die wiederum gelangen über das Blut ins Gewebe und könnten (langsame) Tumorzellen ernähren. Ein kluger Kritiker verstummt daraufhin.

Wenn sich nun jemand ketogen ernährt, hat er zwar viel Fett im Darm, das stimmt, aber wenig im Blutkreislauf. Seine Triglyceride sind auffällig tief, weil er keine Kohlenhydrate isst.

Ein Tumor ernährt sich aber nun einmal aus dem Blutkreislauf und da stehen ihm in der Ketose einfach nur wenige Blutfette zur Verfügung.

Interessante und berechtige Frage ist übrigens auch, ob ein sowieso kämpfender, schlapper Krebspatient durch die Ketose nicht weiter geschwächt wird, zu sehr abnimmt. Die Antwort heißt Jein. Präziser: Wenn man´s richtig macht, nein. Begründung:

Krebspatienten haben – im fortgeschrittenen Stadium – einen Katabolismus, also einen abbauenden Körperstoffwechsel. Sieht man ihnen an. Und genau der wird durch die Ketose gebremst. Das „Zehrende“ des Krebses hört auf und man kann anhand der vielen Kalorien (ketogene Diät ist kalorienreich) wieder zunehmen.

Gesunde Übergewichtige haben einen ganz anderen Grundstoffwechsel. Wenig bekannt, dieser Unterschied. Die werden durch die Ketose schneller satt und nehmen deshalb weniger Energie zu sich, nehmen ab, weil das Hungergefühl in der Ketose fehlt.

Fazit: Ich merke mir also: no carb ist richtig, wenn man Krebszellen ärgern möchte. Auch vorsorglich. Ketose ist noch richtiger, weil doppelt wirksam: Wirkt auf Grund von No carb, aber auch durch Ketonkörper, die per se Entzündung bremsen, Krebsgene umschalten. Die praktische Schlussfolgerung dürfen Sie selbst ziehen.

Betrifft in diesem Neuen Jahr 470.000 Deutsche. Und wie viele von denen erfahren diese möglicherweise lebensrettenden Tatsachen? 1%? Sicher zu hoch geschätzt.

 

Ist bei einer ketogenen Diät die Eiweißzufuhr nicht zu niedrig?

Rein rechnerisch kommt bei einer ketogenen Ratio von 2:1 auf 180g Fett 90 g aus Kohlenhydraten und Eiweiß (wenn man von einer Energiemenge von ca. 2000 kcal ausgeht). Wenn Sie in strengen Keto-Regime dann ca. 20-30 g Kohlenhydrate gesamt am Tag ansetzen, hätten Sie hier noch 60-70 g Eiweiß, je nach Körpergewicht dann entsprechend ausreichend oder der Gesamtkalorienumsatz wird erhöht.

Bei der 1,6 zu 1 Ratio, die sich bei unseren Patientinnen in der KOLIBRI-Studie eingependelt hat, haben die Frauen im Mittel 1,3 g Eiweiß pro KG Körpergewicht pro Tag zu sich genomen (und 31,8 kcal/kg KW/Tag). Das war sowohl bezogen auf Eiweiß als auch auf die Energiezufuhr signifikant die beste Gruppe im Vergleich zu LOGI und ganz extrem im Vergleich zur Standard „gesunden“ Ernährung nach DGE (0,9 g Eiweiß und 24,5 kcal).

Insofern können, wenn die Ernährungsform Ketogene Diät richtig gemacht wird, hier ideale Mengen an Energie und Eiweiß zugeführt werden – anders die „gesunde“ DGE-Kost, hier ist die Eiweiß- und Kalorienzufuhr deutlich zu niedrig für Krebspatientinnen – hier liegt also die Sarkopenie- und Kachexiegefahr!

 

Droht hier Sarkopeniegefahr (Muskelschwund)?

Ganz im Gegenteil! Da gibts noch spannende Aspekte der ketogenen Diät, nämlich die pharmakologische Wirkung von beta-Hydroxybutyrat, welche zum einen die Entzündungsreaktionen bremst und zum anderen aktiv durch Eingreifen in Signalwege der Zellen auch den Muskelabbau hemmt.

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