Sie haben sich also für ein Buch über Ernährung entschieden. Sehr mutig! Sicher haben Sie bereits andere Ernährungsbücher zu Hause; im Buchhandel gibt es ja Dutzende, wenn nicht Hunderte solcher Bücher. In meinem Buch aber finden Sie nicht die typischen Ernährungsempfehlungen, im Gegenteil: Viele Aussagen sind sehr unkonventionell; ich schwimme oft gegen den Strom.

Ich sehe es aber als meine Pflicht an, über Ernährungskonzepte zu informieren, ohne Rücksicht darauf, ob es manche vielleicht irritiert – vor allem jene, denen die Gesundheit nicht am Herzen liegt. Die ökonomischen Interessen, die hinter der Lebensmittelindustrie – und auch hinter der pharmazeutischen Industrie – stecken, sind enorm.

Natasha Campbell-McBride erklärt in ihrem Zitat sehr gut, was auch mir wichtig ist und weswegen ich dieses Buch geschrieben habe: Die Menschen sind verunsichert, wissen nicht mehr, was sie essen und wem sie glauben sollen – das ist auch verständlich. Es gibt so viele Behauptungen und unzählige Mythen, die von einer unkontrollierten und lügnerischen Werbemaschinerie propagiert werden. Und das alles allein für den Profit und zum Nachteil für unsere Gesundheit. Heutzutage haben die Menschen glücklicherweise Zugang zu vielen Informationen, die sie in die vorteilhafte Lage versetzen, selbst entscheiden zu können, was sie in ihren Einkaufswagen und später auf ihren Teller legen. Allerdings führen die vielfach irreführenden und von der Lebensmittelindustrie geförderten Aussagen dazu, dass sich viele einseitig und ungesund ernähren.

Was aber bedeutet „gesund essen“?

Wem soll, kann man glauben? Ornish, der sagt, dass man tierische Lebensmittel meiden soll? Oder Dukan, der eine eiweißreiche Ernährung propagiert? Oder Lustig, der Fruktose verteufelt? Oder Veronesi, der rotes Fleisch verbannt? In einem derartigen Durcheinander an Informationen, die sich untereinander total widersprechen, fragt man sich in der Tat: Wem soll man da glauben? Die Ernährungswissenschaft ist keine exakte Wissenschaft, sie lässt viel Raum für Interpretationen, die den Gesetzen des Marktes folgen. Das milliardenschwere Geschäft, das mit der Ernährung gemacht wird, beeinflusst leider auch die Wissenschaft, die dann so genannte Ernährungsleitlinien herausbringt. Sie glauben das nicht? Dann denken Sie nur an die absurden Mengen an Kohlenhydraten, die Diabetikern empfohlen werden: bis zu 360 Gramm Brot am Tag! Dabei sind Kohlenhydrate nichts anderes als Zucker – und den sollten Diabetiker bekanntlich strikt meiden.

Seit Jahrzehnten schauen wir widerstandslos zu, wie unsere Kinder erkranken. Sie werden übergewichtig, erkranken an Autismus und an der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)– und niemand kommt auf die Idee, ihnen zu sagen, dass dies eng mit dem Zuckerkonsum zusammenhängt. Gar nicht zu reden, von den schwindelerregenden Zahlen an Diabetes-Erkrankungen, an Fällen von Tumoren, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Alzheimer. Viele denken, dass ein Bäuchlein mit 50 normal ist. Wer hat Ihnen das gesagt? Wollen Sie tatsächlich die nächsten 35 bis 40 Jahre schwer belastet durchs Leben gehen? Mit all den Problemen, die Übergewicht mit sich bringen kann? Ich glaube nicht!

Wir sollten selbst entscheiden was wir essen.

Wir können darüber entscheiden wie wir uns fühlen. Denn schließlich sind nur wir selbst für unsere Gesundheit verantwortlich. Im Grunde wäre es ganz einfach: Um uns gut zu fühlen und gesund zu bleiben, sollten wir das essen, was uns Mutter Natur schenkt, und wir sollten es selbst in der richtigen Weise zubereiten.

An Sie wende ich mich mit diesem Buch – an Sie, die sich wünschen, ehrliche und echte Nahrungsmittel zu essen, die nicht von der Lebensmittelindustrie in Labors hergestellt wurden. Echte Lebensmittel: Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, also von Kühen, Ziegen, Schafen und anderen Tieren, die den Sommer auf der Alm verbringen, sich von Heu und Gras ernähren und ihrem natürlichen Biorhythmus folgen; Wild, Fisch, am besten gefischt, ohne die Meere zu zerstören und zu überfischen; Käse, der aus der Milch von artgerecht gehaltenen Tieren hergestellt wird; Eier von Hühnern in echter Freilandhaltung auf unseren Höfen; möglichst saisonales und regionales Obst und Gemüse. Wenn wir uns so ernähren, dann bekommt der Körper all das, was er braucht, und Schritt für Schritt wird er in der Lage sein, die benötigte Energie vorwiegend aus Fetten zu gewinnen und immer weniger aus Zucker.

Letztendlich geht es nicht darum, wie viel wir essen, sondern was wir essen. Unser Körper antwortet direkt auf jedes Lebensmittel, das wir ihm zuführen: Bekommt unser Körper die richtige Kost, fühlen wir uns besser, voller Energie und Lebensfreude, wir erkranken seltener, weil wir unserem Körper das verabreichen, was er braucht, um jeden Tag in Bestform zu funktionieren. Das richtige Essen zum richtigen Zeitpunkt ist eine Kunst.

Aus Liebe zu gutem Essen und zur Gesundheit

Ich möchte Ihnen in diesem Buch zeigen, wie ausgezeichnet man sich „low carb“ ernähren kann, also „low carb high fat – LCHF“, mit weniger Kohlenhydraten bei gleichzeitiger Zufuhr von mehr Fett – eine Ernährung, die sich besonders eignet, wenn Sie unter Problemen mit dem Zuckerstoffwechsel leiden – aber nicht nur. Ich möchte Ihnen erklären, warum Kohlenhydrate dem Zucker gleichzusetzen sind, dass Fett ganz zu Unrecht verteufelt wird und Eiweiße die Bausteine des Lebens sind.

Leider wird an den Universitäten weiterhin noch nicht auf die Bedeutung der Ernährung hingewiesen, nicht ein Seminar, nicht eine Vorlesung gibt es dazu. Ich selbst habe im Laufe der 25 jährigen Erfahrung als praktizierende Ärztin gelernt, dass die Gesundheit über den Darm geht – es war aber ein langer und steiniger Weg. Seit nunmehr sechs Jahren gelingt es mir, viele gesundheitliche Beschwerden meiner Patienten mit einer Ernährungsumstellung zu lösen. Ich zeige ihnen, wie sie einkaufen und kochen sollen, dass es sich lohnt diese Zeit in ihre Gesundheit zu investieren. Daraus entwickelte sich der Wunsch zu diesem Buch, mit meinen eigenen Rezepten und jenen von Menschen, denen ich auf meinem Weg begegnet bin, mit denen ich dieselben Erfahrungen teile und die Liebe zu gutem Essen und zu unserer Gesundheit.

In diesem Buch geht es nicht um Kalorien, nicht um die Größe der Portionen und noch viel weniger um das Gewicht des Essens.

Es geht darum, zu lernen, auf seinen eigenen Körper zu achten, dementsprechend zu essen und damit aufzuhören, wenn man satt ist. Essen Sie nicht, wenn Sie keinen Hunger haben; essen Sie auch nicht aus Langeweile oder Frustration. Das einzige, auf das Sie achten sollten, ist die Menge an Zucker in Ihrem Essen – auf nichts anderes.